Kunst

WÜSTE – MEER – SCHÖPFERMYTHEN - Aboriginal Art der Spinifex und Yolŋu

Ab dem 10.11.2017 ist die Galerie ARTKELCH mit dieser Sonderausstellung im Rautenstrauch-Joest-Museum zu Gast. Zum ersten Mal widmet das Haus der auf dem internationalen Kunstmarkt gefragten zeitgenössischen Kunst australischer Aborigines eine eigene Ausstellung im Blickpunkt, dem neu geschaffenen Ausstellungsraum im ehemaligen JuniorMuseum.
Frauengemeinschaftswerk © Spinifex Arts Project; Nawurapu Wunuŋmurra, Zwei Mokuy © Buku-Larrŋgay Mulka
( PR4US.com | Pressemitteilung | 2017-10-31 13:55:36 )
„In den Werken der Spinifex und Yolŋu findet auf künstlerische Weise die Auseinandersetzung einer Jahrtausende alten Kultur mit der Moderne statt“, betonte Prof. Dr. Klaus Schneider, Direktor des Rautenstrauch-Joest-Museums. „Die Ausstellung greift unseren kulturvergleichenden Ansatz auf und stellt auf spannende Weise die Werke der beiden Kunstzentren einander gegenüber.“

Die Ursprünge der als „Aboriginal Art“ bezeichneten Kunst liegen in der Sand-, Körper- und Felsenmalerei. Sie gilt als die älteste kontinuierliche Kunsttradition der Welt. Seit den 1990er Jahren interessiert sich zunehmend auch der internationale Kunstmarkt für die Werke der Aborigines, deren Sammlerwert spätestens seit der dOCUMENTA (13) auch hierzulande kein Geheimnis mehr ist.

Auf der Suche nach ihrem Platz in der Moderne kämpfen Aborigines um den Erhalt, die Weiterentwicklung und Anerkennung ihrer Kultur. Hierbei ist die Kunst nicht nur eine wichtige Ausdrucksform, sondern ermöglicht auch politischen Einfluss und wirtschaftliche Selbständigkeit. Seit vielen Jahren organisieren sich Aborigines in sogenannten community-based Art Centres und nutzen Malerei und Skulptur, um ihr kulturelles Erbe zu sichern und weiterzuentwickeln.

Im Blickpunkt werden auf kleinem Raum Werke von zwei führenden Künstlerkooperativen einander gegen-übergestellt: dem Spinifex Arts Project aus der Great Victoria Desert in Westaustralien und dem Buku-Larrŋgay-Mulka Centre der Yolŋu (Selbstbezeichnung der dort lebenden indigenen Bevölkerung) im nordöstlich am Meer gelegenen Arnhemland. Während in der Wüste die moderne Malereibewegung der Aborigines erst Anfang der 1970er Jahre begann, gehört Kunst aus dem Arnhemland zu den frühen indigenen Kunstformen Australiens. Bereits in den 1950er Jahren wurde der Kunst der Yolŋu durch Museumsausstellungen eine der westlichen Kunst gleichwertige Kunsttradition attestiert.

Inhaltlich am zentralen Thema der Schöpfungsmythen der „Traumzeit“ orientiert verbindet die beiden Künstlergemeinschaften in der Wüste und am Meer die Auseinandersetzung mit dem Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart, dem Spirituellen mit dem Säkularen, den Menschen und ihrem Land.

Stilistisch dagegen könnte die Kunst aus beiden Regionen Australiens gegensätzlicher nicht sein. Die Spinifex People, die zu den letzten Nomaden der australischen Wüste gehören, verwenden synthetische Acrylfarbe und gleichmäßig gewebte Leinen- und Baumwollstoffe. Gewaltige Landkartengemälde aus der Vogelperspektive mit Wüstenikonographie im mittlerweile klassisch zu nennenden Tupfstil („Dotart“) und ihre Ursprünglichkeit faszinieren den Betrachter. Dahingegen findet man bei den Yolŋu vom Buku-Larrŋgay-Mulka Centre natürliche Erdpigmente, Rinde, von Termiten ausgehöhlte Stämme von Eukalyptusbäumen und ausgediente Holz- und Kartonplatten als Träger von Farbe. Bei ihnen stehen Zeichen und Muster im Vordergrund, die im westlichen Arnhemland als „rarrk“ und im östlichen Arnhemland als „marvat“ (Kreuzschraffur, die mit einem feinen Haarpinsel aufgetragen wird) bekannt wurden. Ihre Ursprünge liegen in uralten Clan-Designs (miny`tji), die bei Zeremonien auf Körpern gemalt werden. Heute sind ihre Werke weltweit Bestandteil bedeutender Museen und Privatsammlungen.

Unabhängig von den Kunststilen jedoch haben beide Kunstzentren ihre Malerei schon früh politisch eingesetzt, um tausende Jahre alte Land- und Seerechte gegen die – teils bis heute – fortwährende Enteignung durchzusetzen. Nachdem ein großer Teil des Stammesgebietes durch geheime Atomtests der Briten verseucht wurde, diente die Malerei der Spinifex als Beweismittel bei der Durchsetzung von Landansprüchen, bei der mehr als 55.000 Quadratkilometer Land anhand der Kunst zurückgewonnen werden konnten. Die magische Kraft dieser Kunstwerke kommt besonders in Gemeinschaftswerken zum Ausdruck, die auch das Herzstück der Ausstellung in Köln sind. Bei den Yolŋu versuchte man mit einer Petition in Englisch und in lokaler Sprache mit Malereien auf Baumrinde, den Abbau eines großen Bauxitvorkommens zu verhindern. Später protestierte man im Rahmen des Saltwater Projects mit großformatigen Rindenmalereien gegen illegale Fischercamps auf traditionellem Land. Und zur 200-Jahrfeier Australiens leisteten die Yolŋu anhand 200 bemalter traditioneller Baumsärge, sogenannte Larrakitj, spirituellen Widerstand und mahnten die vielen Toten unter ihnen an, die die Weißen in den 200 Jahren Besiedelung auf dem Gewissen haben.

Die Energie der Schöpferahnen ist in den kraftvollen Werken der Spinifex ebenso gegenwärtig wie in den schimmernden Energiemustern der Yolŋu. Auch ohne Vorwissen über Schöpfungsgeschichte, Land und Identität der beiden Künstlergruppen, haben die Werke ihre ganz eigene kraftvolle Ausstrahlung.

Ein vielfältiges Begleitprogramm aus Vorträgen, Insiderführungen, Lesungen und Workshops für Kinder beleuchtet Gegensätze und Gemeinsames der Aboriginal Art. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband.

Die ausgestellten Werke können über ARTKELCH erworben werden.

Die Galerie ARTKELCH aus Freiburg ist spezialisiert auf Gemälde aus dem gehobenen Segment der Con-temporary Aboriginal Art, vorwiegend aus den Wüstenregionen im Zentrum Australiens. Daneben umfasst das Galerieprogramm Arbeiten auf Rinde und Holzskulpturen (Gedenkpfähle und geschnitzte Geistwesen) aus dem Norden Australiens sowie ein kleines Kontingent zeitgenössischer Tapa-Kunst aus Papua-Neuguinea.

Die Galerie zählt zu den besten ihrer Art in Europa. Neben Qualität und Authentizität legt ARTKELCH besonderen Wert auf Provenienz und den ethisch korrekten Umgang mit Aboriginal Art. Die Galerie bezieht daher ihre Werke ausschließlich aus Kunstzentren, die den indigenen Künstlern selbst gehören.

Vernissage: Donnerstag, 10. November 2017 um 19:00 Uhr (für geladene Gäste)
Rautenstrauch-Joest-Museum // Blickpunkt
Cäcilienstraße 29-33, 50667 Köln

Öffnungszeiten
Di – So, 10 – 18 Uhr; Do, 10 – 20 Uhr
1. Do im Monat bis 22 Uhr; Mo geschlossen
An Feiertagen 10 – 18 Uhr; am 24.und 25.12.2017, am 31.12.2017 und 1.1.2018 sowie am 8.2., 11.2. und 12.2.2018 geschlossen.

Ansprechpartner:
ARTKELCH: Robyn Kelch, Kuratorin, robyn.kelch(at)artkelch.de
RJM: Oliver Lueb, Projektleiter, oliver.lueb(at)stadt-koeln.de

Pressekonferenz im RJM: Donnerstag, 9. November 2017, 10 Uhr
Bildmaterial unter www.museenkoeln.de/presse

Besuchen Sie uns auch auf www.artkelch.de oder www.facebook.com/rjmkoeln


Presseinformation


Veröffentlicht durch

Sylvia Krings
http://www.artkelch.de

Kontakt Sylvia Krings


 

 

 

 

 

 

Erklärung: Der Autor versichert, dass die veröffentlichten Inhalte in dieser Pressemitteilung der Wahrheit entsprechen und dem gesetzlichen Urheberrecht unterliegen.
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